Widerrufsklage gegen die DSL-Bank / Postbank erfolgreich

Das LG Stutt­gart hat in einem von hün­lein rechts­an­wäl­ten ver­tre­te­nen Fall zuguns­ten der Dar­le­hens­neh­mer ent­schie­den und den Wider­ruf als wirk­sam erach­tet. Das LG Stutt­gart stell­te in sei­nem Urteil vom 15.03.2016 Az. 21 O 133/15 fest, dass die ver­wen­de­te Wider­rufs­be­leh­rung der DSL-Ban­k/­Post­bank nicht den sei­ner­zeit gel­ten­den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spro­chen hat.

Es han­del­te sich um einen Dar­le­hens­ver­trag von 2008 der 2014 wider­ru­fen wur­de.

Es ging dabei vor­lie­gend um eine Wider­rufs­be­leh­rung eines Dar­le­hens­ver­tra­ges der DSL-Ban­k/­Post­bank, die fol­gen­de Pas­sa­gen ent­hielt:

Die Wider­rufs­frist beginnt zu dem Zeit­punkt, zu dem der Dar­le­hens­neh­mer
-ein Exem­plar die­ser Beleh­rung
‑und eine Urkun­de oder eine Abschrift des Dar­le­hens­ver­tra­ges oder das Ver­trags-/Dar­le­hens­an­ge­bot des Dar­le­hens­neh­mers, das alle Ver­trags­be­din­gun­gen ent­hält, — im Ori­gi­nal oder in Abschrift – sowie die Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen
erhal­ten hat. „
(Wider­rufs­be­leh­rung Dar­le­hens­ver­trag DSL-Ban­k/­Post­bank vom 01.02.2008)

Wei­ter­hin ent­hielt die Wider­rufs­be­leh­rung des Dar­le­hens­ver­tra­ges umfang­rei­che Pas­sa­gen zu den „Wider­rufs­fol­gen“ und zu „Ver­bun­de­ne Geschäf­te“.

Genau auf Letz­te­res stüt­ze sich sodann auch das LG Stutt­gart. Inso­weit ist die Ent­schei­dung außer­ge­wöhn­lich und weicht von den bis­he­ri­gen Urtei­len gegen die DSL-Ban­k/­Post­bank ab.

Das LG Stutt­gart führt aus:

Die ver­wen­de­te Wider­rufs­be­leh­rung ver­stößt schon des­halb gegen das Deut­lich­keits­ge­bot gemäß § 355 Abs. 2 BGB, weil sie einen umfang­rei­chen Abschnitt zu den Rechts­fol­gen des Wider­rufs bei ver­bun­de­nen Geschäf­ten ent­hält, obwohl es sich bei dem Dar­le­hens­ver­trag nicht um ein sol­ches Geschäft han­delt.“

Wei­ter heißt es:

Die Gestal­tungs­hin­wei­se unter Zif­fer 9 zur Anla­ge 2 (Fas­sung vom 02.12.2004) zu § 14 BGB Mus­ter­in­fo­ver­ord­nung sehen vor, dass bei einer Beleh­rung für den Dar­le­hens­ver­trag bei einem finan­zier­ten Erwerb eines Grund­stü­ckes der dor­ti­ge Satz 2 der Hin­wei­se zu erset­zen ist durch eine wei­ter vor­ge­ge­be­ne For­mu­lie­rung, die sich hier aller­dings erst als vier­ter Satz unter der Über­schrift „ver­bun­de­ne Geschäf­te“ fin­det.

Zudem sind die Hin­wei­se für ein etwa bestehen­des gesetz­li­ches Wider­rufs­recht für das ver­bun­de­ne Geschäft für den Ver­brau­cher voll­ends irre­füh­rend auch hier wird ihm inso­weit das Risi­ko der zutref­fen­den Sub­sump­ti­on in unzu­läs­si­ger Wei­se über­bür­det.“

Auf die wei­te­ren von hün­lein rechts­an­wäl­ten monier­ten Feh­ler ging das Gericht schon gar nicht wei­ter ein, weil es der Auf­fas­sung war, dass die Feh­ler in der Wider­rufs­be­leh­rung unter dem Punkt „Ver­bun­de­ne Geschäf­te“ bereits aus­rei­chend sind, um einen Ver­stoß gegen das Deut­lich­keits­ge­bot zu begrün­den.

Dies ist gera­de des­halb inter­es­sant, weil vie­le Gerich­te die­se oft ver­wir­ren­den Aus­füh­run­gen als „unbe­acht­lich“ abtun. Im Rah­men des Deut­lich­keits­ge­bo­tes kommt es aber auf die gesam­te Dar­stel­lung der Wider­rufs­be­leh­rung an.

Der BGH hat­te bereits 2009 in sei­nem Urteil vom 13. 01.2009 Az. XI ZR 509/07 aus­ge­führt:

Der mit dem Wider­rufs­recht bezweck­te Schutz des Ver­brau­chers erfor­dert eine umfas­sen­de, unmiss­ver­ständ­li­che und für den Ver­brau­cher ein­deu­ti­ge Beleh­rung. Der Ver­brau­cher soll dadurch nicht nur von sei­nem Wider­rufs­recht Kennt­nis erlan­gen, son­dern auch in die Lage ver­setzt wer­den, die­ses aus­zu­üben. Er ist des­halb auch über den Beginn der Wider­rufs­frist ein­deu­tig zu infor­mie­ren. Um die vom Gesetz bezweck­te Ver­deut­li­chung des Rechts zum Wider­ruf nicht zu beein­träch­ti­gen, darf die Wider­rufs­be­leh­rung grund­sätz­lich kei­ne ande­ren Erklä­run­gen ent­hal­ten. […] Nicht zuläs­sig sind Erklä­run­gen, die einen eige­nen Inhalt auf­wei­sen und weder für das Ver­ständ­nis noch für die Wirk­sam­keit der Wider­rufs­be­leh­rung von Bedeu­tung sind und des­halb von ihr ablen­ken (BGH, NJW 1993, 2868 = WM 1993,1840 [1841]; NJW 2002, 3396 = WM 2002, 1989 [1991]).“

Daher ist die jetzt ergan­ge­ne Ent­schei­dung des LG Stutt­gart vom 15.03.2016 Az. 21 O 133/15 völ­lig zutref­fend. Es dür­fen sich kei­ne irre­füh­ren­den und ablen­ken­den Aus­füh­run­gen in der Wider­rufs­be­leh­rung befin­den.

Ver­wir­kung und Rechts­miss­brauch wur­de kurz the­ma­ti­siert aber vom LG Stutt­gart mit zutref­fen­der Begrün­dung abge­lehnt. Dies liegt im Trend der BGH-Recht­spre­chung der in ver­gleich­ba­ren Fäl­len auch kei­nen Rechts­miss­brauch sieht so z.B. erst jüngst der Beschluss des BGHs vom 16. März 2016 Az. VIII ZR 146/15.

Betrof­fe­ne Dar­le­hens­neh­mer soll­ten daher nicht zögern, sich anwalt­li­che Bera­tung ein­zu­ho­len.

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