BHW Bausparkasse AG verwendete bis Juni 2010 oft fehlerhaft Widerrufsbelehrungen in ihren Darlehensverträgen

Wir haben zwi­schen­zeit­lich eine gan­ze Rei­he von Dar­le­hens­ver­trä­gen samt Wider­rufs­be­leh­run­gen von Dar­le­hens­neh­mern der BHW Bau­spar­kas­se AG vor­ge­legt bekom­men. Nach unse­rer Prü­fung der Wider­rufs­be­leh­run­gen der Dar­le­hens­ver­trä­ge kön­nen wir nach bis­he­ri­gem Stand das Ergeb­nis der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ham­burg bestä­ti­gen. Die­se hat in Ihrer sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung fest­ge­stellt, dass Wider­rufs­be­leh­run­gen der BHW Bau­spar­kas­se AG zwi­schen 01.11.2002 und 10.06.2010 oft nicht dem jeweils gül­ti­gen Mus­ter­text der Anla­ge 2 zum § 14 BGBIn­fo­VO ent­spro­chen haben. Die Über­sicht der Ver­brau­cher­zen­tra­le fin­den Sie hier.

Dabei wur­de uns beson­ders oft eine Wider­rufs­be­leh­rung der BHW vor­ge­legt, die am Ende des Ver­tra­ges in einem Kas­ten mit abge­druckt war, aber gänz­lich ohne unter Über­schrif­ten. Dort hieß es dann u.a. wie folgt:

„Die Wider­rufs­frist beginnt einen Tag nach­dem der/die Darlehensnehmer/Gesamtschuldner ein Exem­plar der Wider­rufs­be­leh­rung erhal­ten hat/haben und eine Ver­trags­ur­kun­de, der schrift­li­che Dar­le­hens­an­trag oder eine Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder des Antra­ges aus­ge­hän­digt wur­de.“

Die uns in die­sem Zusam­men­hang oft vor­ge­leg­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen der Dar­le­hens­ver­trä­ge mit der BHW hal­ten wir jedoch für feh­ler­haft und irre­füh­rend. Es kann ins­be­son­de­re der Ein­druck erweckt wer­den, dass bereits mit der Über­ga­be der Wider­rufs­be­leh­rung und des Dar­le­hens­an­tra­ges an den Dar­le­hens­neh­mer die Wider­rufs­frist zu lau­fen beginnt. Bei einer ähn­li­chen For­mu­lie­rung hat­te der Bun­des­ge­richts­hofs so ent­schie­den und fest­ge­stellt, dass dies irre­füh­rend und falsch ist. Dies wider­spre­che dem Deut­lich­keits­ge­bot des § 355 BGB a.F.. Die dor­ti­ge For­mu­lie­rung lau­te­te:

Der Lauf der Frist für den Wider­ruf beginnt einen Tag, nach­dem dem Dar­le­hens­neh­mer die­se Beleh­rung mit­ge­teilt und eine Ver­trags­ur­kun­de, der schrift­li­che Dar­le­hens­an­trag oder eine Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder des Dar­le­hens­an­tra­ges zur Ver­fü­gung gestellt wur­de.“ (BGH Urteil vom 10.03.2009 Az. XI ZR 33/08)

Dar­über hin­aus ent­hal­ten die uns bis­her vor­ge­leg­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen der BHW aus dem genann­ten Zeit­raum oft noch zahl­rei­che wei­te­re Abwei­chun­gen, die wir kri­tisch sehen. Dies sind etwa das Feh­len jeg­li­cher unter Über­schrif­ten oder auch der pau­scha­le Ver­weis auf die Rechts­fol­gen nach § 357 Abs. 1 und Abs. 3 BGB. Im Rah­men einer deut­li­chen Wider­rufs­be­leh­rung müs­sen aber unse­rer Ansicht nach, nicht nur die ein­zel­nen Tei­le der Wider­rufs­be­leh­rung klar erkennt­lich sein, son­dern auch deren Inhal­te deut­lich und kon­kret benannt wer­den. Alles ande­re stellt in unse­ren Augen kei­ne deut­li­che Wider­rufs­be­leh­rung im Sin­ne des § 355 BGB a.F. dar.

Wei­ter­hin wur­de unter den Rechts­fol­gen in den von uns geprüf­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen der BHW oft dar­auf hin­ge­wie­sen, dass mit der Wider­rufs­er­klä­rung eine ver­zugs­aus­lö­sen­de Frist in Gang gesetzt wer­den wür­de. Dies ist nach unse­rer Auf­fas­sung jedoch falsch, weil ein Ver­brau­cher, dem kei­ne Abrech­nung zuge­gan­gen ist, gemäß § 286 Abs. 3 BGB a.F. nicht in Ver­zug gerät und der Dar­le­hens­neh­mer im Zwei­fels­fall die genaue Rest­schuld auch nicht kennt. Daher müss­te erst eine Abrech­nung durch die Bank erfol­gen, sodass im Zwei­fels­fall der Dar­le­hens­neh­mer wegen Umstän­den die er nicht zu ver­tre­ten hat, eben­falls nicht in Ver­zug gera­ten kann ( § 286 Abs. 4 BGB a.F.).

Ins­ge­samt müs­sen auch wir fest­stel­len, dass sich die BHW bei ihren Wider­rufs­be­leh­run­gen zwi­schen Novem­ber 2002 und Juni 2010 oft nicht an das jeweils gül­ti­ge Mus­ter gehal­ten hat. Betrof­fen soll­ten hier genau prü­fen und ggf. recht­li­chen Bei­stand suchen, um Ihre berech­tig­ten Ansprü­che durch­set­zen zu kön­nen.

Außer­ge­richt­lich zeig­te sich die BHW bis­her in unse­ren Ver­fah­ren begrenzt ver­hand­lungs­be­reit.

Unse­re Rechts­an­sicht wur­de kürz­lich von der BHW indi­rekt bestä­tigt. Die­se erkann­te in einem unse­rer Ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt Hanno­ver mit Aner­kennt­nis­ur­teil vom 24.08.2015 Az. 14 O 38/15, die von uns geführ­te Kla­ge, voll­stän­dig an.

Die BHW erkann­te erneut in einem von uns geführ­ten Ver­fah­ren die Kla­ge voll­stän­dig an (LG Han­no­ver Urteil vom 07.01.2016 Az. 3 O 125/15).

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