Besondere Hinweis auf Erlöschen des Widerrufsrechts ist falsch

Der BGH hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 10.10.2017 Az. XI ZR 455/16 einen wei­te­ren Feh­ler in Wider­rufs­be­leh­run­gen von Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen aus der Zeit zwi­schen 01.11.2002 und 10.06.2010 fest­ge­hal­ten.

Dabei geht es kon­kret um fol­gen­de For­mu­lie­rung:

„Ihr Wider­rufs­recht erlischt vor­zei­tig, wenn der Ver­trag voll­stän­dig erfüllt ist und Sie dem aus­drück­lich zuge­stimmt haben”


Der BGH führt hier­zu in sei­nem Urteil vom 10.10.2017 Az. XI ZR 455/16 aus:

Dar­über hin­aus ent­hielt der Ein­schub “Beson­de­rer Hin­weis: Ihr Wider­rufs­recht erlischt vor­zei­tig, wenn der Ver­trag voll­stän­dig erfüllt ist und Sie dem aus­drück­lich zuge­stimmt haben” einen wei­te­ren Beleh­rungs­feh­ler. Selbst dann, wenn es sich was das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt hat bei dem Dar­le­hens­ver­trag um einen Fern­ab­satz­ver­trag gehan­delt hät­te, wäre nach § 312d Abs. 5 Satz 1 BGB in der zwi­schen dem 8. Dezem­ber 2004 und dem 3. August 2011 gel­ten­den Fas­sung das Wider­rufs­recht nach § 312d Abs. 1 BGB in der bis zum 12. Juni 2014 gel­ten­den Fas­sung aus­ge­schlos­sen gewe­sen und hät­te allein das Wider­rufs­recht nach § 495 Abs. 1 BGB bestan­den. Ent­spre­chend konn­te das Wider­rufs­recht ent­ge­gen dem von der Beklag­ten erteil­ten Hin­weis nicht nach § 312d Abs. 3 Nr. 1 BGB in der zwi­schen dem 8. Dezem­ber 2004 und dem 3. August 2009 gel­ten­den Fas­sung unter den dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen erlö­schen.“

Das Wider­rufs­recht für Fern­ab­satz­ver­trä­ge nach dama­li­gem Recht in den §§ 312c ff. BGB a.F. nor­miert, wur­de bis auf eini­ge Besonderheiten/Informationspflichten vom Wider­rufs­recht für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge nach § 495 BGB a.F. ver­drängt.

Es gibt jedoch Ban­ken die in der Zeit bis zum 10.06.2010 in ihren Wider­rufs­be­leh­run­gen von Dar­le­hens­ver­trä­gen, die im Fern­ab­satz geschlos­sen wur­den, genau den vom BGH jetzt zitier­ten Hin­weis in die Wider­rufs­be­leh­rung auf­ge­nom­men hat­ten. Die­ser Hin­weis auf das Erlö­schen des Wider­rufs­rechts gilt jedoch nur für das Fern­ab­satz­wi­der­rufs­recht nach § 312d Abs. 1 BGB a.F. und gera­de nicht für das Wider­rufs­recht für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge nach § 495 BGB a.F.. Daher erweckt die­ser Hin­weis eine fal­sche Vor­stel­lung über das Wider­rufs­recht und ist im Sin­ne des jetzt ergan­ge­nen Urteils des BGHs als falsch anzu­se­hen.

Wider­rufs­be­leh­run­gen von Dar­le­hens­ver­trä­gen, die die­sen Hin­weis ent­hal­ten, sind daher im Lich­te des BGH Urteils vom 10.10.2017 Az. XI ZR 455/16 als falsch anzu­se­hen. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der zugrun­de lie­gen­de Dar­le­hens­ver­trag im Wege des Fern­ab­sat­zes geschlos­sen wur­de oder nicht. Ein Erlö­schen des Wider­rufs­rechts für Dar­le­hens­ver­trä­ge nach Maß­ga­be des § 312d Abs. 3 BGB a.F. sah das Wider­rufs­recht für Dar­le­hens­ver­trä­ge im frag­li­chen Zeit­raum schlicht nicht vor.

Dies ver­ein­facht die noch lau­fen­den Ver­fah­ren gegen die betrof­fe­nen Ban­ken enorm. Gera­de beim Land­ge­richt Frank­furt und auch beim Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt gab es in der Ver­gan­gen­heit eini­ge Richter/innen, die der­ar­ti­ge For­mu­lie­run­gen als kor­rekt ange­se­hen hat­ten.


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