Neues Gesetz soll rückwirkend die Widerrufsfrist auf ein Jahr und 14 Tage beschränken

Die Bun­des­re­gie­rung ist bereits seit eini­ger Zeit dabei, das Dar­le­hens­rechts zu über­ar­bei­ten. Ein Teil davon sieht u.a. in dem zukünf­ti­gen § 356b BGB vor, dass das Wider­rufs­recht bei Immo­bi­li­en­dar­le­hen nach einem Jahr und 14 Tagen erlö­schen soll. Dies unab­hän­gig davon, ob der Ver­brau­cher über ein Wider­rufs­recht belehrt wur­de oder nicht. 

Bis­her sieht das Gesetz für Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge kei­ne zeit­li­che Begren­zung des Wider­rufs­rechts für Ver­brau­cher vor. Ver­stößt eine Bank gegen ihre Pflicht zur Auf­klä­rung über das bestehen­de Wider­rufs­recht oder infor­miert den Dar­le­hens­neh­mer nicht umfas­send über alle soge­nann­ten Pflicht­an­ga­ben (z.B. Ver­trags­lauf­zeit, effek­ti­ver Jah­res­zins, Infor­ma­tio­nen zu Zusatz­ver­trä­gen) kann ein Wider­rufs­recht des Dar­le­hens­neh­mers bestehen. 

Nach der Ände­rung spie­len die Pflicht­an­ga­ben im Dar­le­hens­ver­trag kei­ne Rol­le mehr für den Beginn des Wider­rufs­rechts. Es wird ledig­lich dar­auf ankom­men, ob die Bank den Dar­le­hens­neh­mer über sein Wider­rufs­recht infor­miert hat. Macht die Bank dies nicht oder falsch, erlischt das Wider­rufs­recht den­noch ein Jahr und 14 Tage nach Vertragsschluss. 

Bis­her sah das Gesetz in dem Ent­wurf vom 07.09.2015 BT-Drs. 18/5922 noch kei­ne Rück­wir­kung für alte Dar­le­hens­ver­trä­ge vor. Das neue Gesetz hät­te damit erst für neue Dar­le­hens­ver­trä­ge gegol­ten, die ab de, 21.03.2016 geschlos­sen wor­den wären.

Der Bun­des­rat hat in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 25.09.15 (Drucksache359/15) jedoch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Bun­des­re­gie­rung den Geset­zes­ent­wurf über­ar­bei­ten möge und auch eine Rück­wir­kung für alle bestehen­den Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge ein­ar­bei­ten soll.

Nach der­zei­ti­gen Pres­se­be­rich­ten sieht es so aus, als sei die Bun­des­re­gie­rung die­ser Auf­for­de­rung nach­ge­kom­men und sie will eine Rück­wir­kung der neu­en Rege­lun­gen auf alle alten Ver­trä­ge ein­bau­en. Die­se sieht vor, dass 3 Mona­te nach Inkraft­tre­ten des neu­en Geset­zes, die Höchst­frist des Wider­rufs auch für alle alten Ver­trä­ge gilt. Der­zeit ist es geplant, das Gesetz ab dem 21.03.2016 Inkraft­tre­ten zu las­sen. Dies wür­de bedeu­ten, dass ab dem 21.06.2016 die neu­en Fris­ten für alle Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge gel­ten wür­den und damit alle Wider­rufs­rech­te der Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge von vor dem 07.03.2015 erlo­schen sein werden.

Begrün­det wird die­ses neue Gesetz und die­se neue Rege­lung mit dem bes­se­ren Ver­brau­cher­schutz.
Laut Begrün­dung des bis­he­ri­gen Geset­zes­ent­wurfs führt eine Rechts­si­cher­heit der Ban­ken dazu, dass Sie den Ver­brau­chern auch wei­ter­hin lang­fris­ti­ge Immo­bi­li­en­dar­le­hen anbie­ten und nicht auf kurz­fris­ti­ge Dar­le­hens­ver­trä­ge umschwenken. 

Inwie­fern dies wirk­lich dem Ver­brau­cher­schutz dient, mag jeder für sich beant­wor­ten. Sofern das neue Gesetz zum 21.03.2016 mit den Ände­run­gen des Bun­des­ra­tes in Kraft tre­ten soll­te, haben betrof­fe­ne Dar­le­hens­neh­mer, die ihre Dar­le­hens­ver­trä­ge wider­ru­fen wol­len, nicht mehr viel Zeit.

Der Bun­des­rat hat über­dies ange­regt auch die Höchst­frist auf Fern­ab­satz­ver­trä­ge und elek­tro­nisch geschlos­se­ne Ver­trä­ge aus­zu­wei­ten. Dies führt ab März 2016 dann dazu, dass Zin­s­pro­lon­ga­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen nicht mehr wider­ru­fen wer­den kön­nen, wenn deren Abschluss ein Jahr und 14 Tage her ist. Hier wür­de ggf. dann eben­falls die geplan­te Rück­wir­kung greifen. 

Die EU-recht­li­chen Vor­ga­ben regeln fast aus­schließ­lich nicht ding­lich besi­cher­te Dar­le­hens­ver­trä­ge. Bis­her hat die EU Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge so gut wie immer von allen Rege­lun­gen aus­ge­nom­men. Daher hat hier der natio­na­le Gesetz­ge­ber nur sehr weni­ge Vor­ga­ben zu beach­ten, an die er sich hal­ten muss. Der­zeit sieht es so aus, als wür­de im Namen des deut­schen Ver­brau­cher­schut­zes das Wider­rufs­recht von Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen ab März 2016 zzgl. Über­gangs­frist auch rück­wir­kend auf 1 Jah­re und 14 Tage beschränkt werden.

Es bleibt abzu­war­ten, wie die Bun­des­re­gie­rung den neu­en Geset­zes­ent­wurf for­mu­lie­ren wird. Nach­dem das Gesetz jedoch bereits ab de, 21.03.2016 Inkraft­tre­ten soll, dürf­te ein neu­er Ent­wurf in Kür­ze vor­lie­gen und der Bun­des­tag das Gesetz dann verabschieden.

Gleich­falls hat der Gesetz­ge­ber im aktu­el­len Ent­wurf eine klei­ne Hin­ter­tür offen gelas­sen und den Dar­le­hens­neh­mern die Mög­lich­keit gege­ben über § 280 BGB ggf. Scha­dens­er­satz von der Bank zu ver­lan­gen, wenn die­se gegen ihre gesetz­li­chen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten ver­sto­ßen hat. Rein prak­tisch dürf­te die­se Opti­on aber so gut wie kei­ne Rele­vanz entfalten. 

Im Ergeb­nis ist nach der­zei­ti­ger Lage das Wider­rufs­recht der Ver­brau­cher für Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge von Ende 2002 bis Anfang 2015 vor­aus­sicht­lich ab Mit­te 2016 gestorben.

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