Degussa Bank nach Widerruf von Darlehn zur Rückzahlung von über 200.000 € verurteilt

Das Land­ge­richt Frank­furt (LG Frank­furt) hat mit Urteil vom 05.08.2016 Az. 2–25 O 41/16 in einem von hün­lein rechts­an­wäl­ten geführ­ten Ver­fah­ren, den Wider­ruf des Dar­le­hens­neh­mers aner­kannt. Die Wider­rufs­be­leh­rung der Degus­sa Bank war irre­füh­rend gefasst und damit unwirk­sam.

Der Dar­le­hens­ver­trag stamm­te von 2005 und wur­de 2014 wider­ru­fen. Die Degus­sa Bank lehn­te den Wider­ruf zunächst ab. Die als Siche­rung die­nen­de Immo­bi­lie wur­de spä­ter im Jah­re 2015 ver­kauft und das Dar­le­hen vor­zei­tig abge­löst. Nach­dem das Dar­le­hen sodann 2015 vor­zei­tig zurück­ge­zahlt war und die Degus­sa Bank sich wei­ter­hin wei­ger­te, die zu Unrecht erlang­ten Beträ­ge her­aus­zu­ge­ben, wur­de Kla­ge erho­ben.

Die Wider­rufs­be­leh­rung des Dar­le­hens­ver­tra­ges der Degus­sa Bank ent­spricht der damals übli­chen Wider­rufs­be­leh­rung von Dar­le­hens­ver­trä­gen der Degus­sa Bank, die in leich­ten Vari­an­ten wenigs­tens von 2005 bis 2010 ver­wen­det wur­de. Teil­wei­se wur­den hün­lein rechts­an­wäl­ten Fäl­le vor­ge­legt, in denen eine Vari­an­te die­ser Wider­rufs­be­leh­rung auch noch Anfang 2011 ver­wen­det wur­de.

Dar­le­hens­ver­trä­ge mit die­ser Wider­rufs­be­leh­rung, die nach dem 10.06.2010 geschlos­sen wur­den, kön­nen auch heu­te ggf. noch wider­ru­fen wer­den. Die­se Ver­trä­ge sind nicht von der Aus­schluss­frist zum 21.06.2016 betrof­fen. Betrof­fe­nen, die dies ins Auge fas­sen wol­len, soll­ten sich fach­kun­dig bera­ten las­sen. Dar­le­hens­neh­mer deren Ver­trä­ge vor dem 10.06.2010 geschlos­sen wur­den und die recht­zei­tig wider­ru­fen haben eben­falls.

Mar­kant für die­se Wider­rufs­be­leh­run­gen der Dar­le­hens­ver­trä­ge der Degus­sa Bank aus die­ser Zeit ist ins­be­son­de­re die Dar­stel­lung von zwei Fris­ten in den Wider­rufs­fol­gen. Hier wird sowohl eine Frist von 30 Tagen als auch von zwei Wochen genannt. Nach Ansicht von hün­lein rechts­an­wäl­ten ein kla­rer Ver­stoß gegen das Deut­lich­keits­ge­bot des § 355 Abs. 2 BGB a.F..

Die­sen Wider­spruch die­ser Fris­ten nahm das LG Frank­furt zum Anlass in sei­nem Urteil vom 05.08.2016 Az. 2–25 O 41/16 zuguns­ten des Dar­le­hens­neh­mers zu ent­schei­den.

Das LG Frank­furt führt dazu aus:

Die Erklä­rung ist damit aus Sicht des Ver­brau­chers wider­sprüch­lich und ver­wir­rend. Zudem ist sie geeig­net, den durch­schnitt­li­chen Ver­brau­cher von der Aus­übung sei­nes Rechts abzu­hal­ten, da es einen erheb­li­chen Unter­schied dar­stellt, ob die Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung bin­nen zwei Wochen oder bin­nen 30 Tagen besteht. Das gilt ins­be­son­de­re für Dar­le­hens­ver­trä­ge, da die Ver­brau­cher hier in der Regel hohe Geld­sum­men zurück­zah­len müss­ten.“
LG Frank­furt Urteil vom 05.08.2016 Az. 2–25 O 41/16

Das LG Frank­furt urteilt damit in der Wider­rufs­sa­che völ­lig BGH kon­form im Sin­ne der Dar­le­hens­neh­mer. Dabei mach­te es auch kei­nen Unter­schied, ob die Wider­rufs­fol­gen damals abzu­dru­cken waren oder ob es ledig­lich frei­wil­li­ge Anga­ben sind. Wenn die Bank etwas in der Wider­rufs­be­leh­rung abdruckt, muss es auch rich­tig sein und darf den Dar­le­hens­neh­mer nicht ver­wir­ren.

Belehrt aber der Unter­neh­mer trotz­dem über die Wider­rufs­fol­gen, ist die­se Beleh­rung dann nicht ord­nungs­ge­mäß i.S.d. § 355 Abs. 2 S. 3 BGB a.F., wenn die Beleh­rung über die Rechts­fol­gen des Wider­rufs feh­ler­haft erfolgt ist. So liegt der Fall aber hier. Die dem Ver­brau­cher vor­lie­gen­de an die Hand gege­be­ne Infor­ma­ti­on ent­spricht nicht der dama­li­gen Rechts­la­ge (OLG Frank­furt am Main Beschluss v. 07.07.2016 Az. 23 U 188/15). Das Gericht schließt sich nicht der Auf­fas­sung des OLG Frank­furt am Main (Beschluss v. 23.06.2016 Az. 17 U 39/16) an. In die­ser Ent­schei­dung betont die­ser Senat ledig­lich die Ver­mitt­lung der Kennt­nis einer Rück­zah­lungs­pflicht emp­fan­ge­ner Leis­tun­gen durch die Wider­rufs­be­leh­rung, ohne indes auf die gra­vie­ren­den Wider­sprüch­lich­kei­ten der Wider­rufs­be­leh­rung ein­zu­ge­hen.“
LG Frank­furt Urteil vom 05.08.2016 Az. 2–25 O 41/16

Beson­ders bemer­kens­wert ist, dass das LG Frank­furt sich nicht der Recht­spre­chung des 17. Sena­tes des OLG Frank­furts anschloss, son­dern die­se dezi­diert ablehn­te. Das LG Frank­furt folgt der Ansicht des 23. Sena­tes des OLG Frank­furts. Die­ser hat in dem eben­falls von hün­lein rechts­an­wäl­ten ver­tre­ten Fall in dem genann­ten Hin­weis­be­schluss deut­lich gemacht, dass er gleich­falls erheb­li­che Zwei­fel an der For­mu­lie­rung in den Wider­rufs­fol­gen der Wider­rufs­be­leh­rung der Degus­sa Bank hat.

Wei­ter­hin strei­tig war die Ver­brau­cher­stel­lung des Dar­le­hens­neh­mers, weil es sich bei dem finan­zier­ten Objekt um ein Miets­haus mit meh­re­ren Miet­par­tei­en gehan­delt hat­te. Die Degus­sa Bank behaup­te­te es han­del­te sich trotz der Wider­rufs­be­leh­rung im Dar­le­hens­ver­trag nicht um ein Ver­brau­cher­dar­le­hen. Das Gericht folg­te hin­ge­gen der Argu­men­ta­ti­on von hün­lein rechts­an­wäl­ten und sah den Dar­le­hens­neh­mer zutref­fend als Ver­brau­cher an, weil die Immo­bi­lie der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung zuzu­rech­nen sei.

Ver­wir­kung und Rechts­miss­brauch waren gewohnt für das Gericht kein The­ma mehr.

Hin­sicht­lich des Nut­zungs­er­sat­zes wur­de die voll­stän­di­ge Rück­ab­wick­lung des Dar­le­hens­ver­tra­ges gel­tend gemacht. Hier sah das LG Frank­furt jedoch nur 2,5 Pro­zent­punk­te als Nut­zungs­er­satz als ange­mes­sen an. Der Klä­ger erhielt somit sowohl die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung zurück als auch den genann­ten Nut­zungs­er­satz für die bis zum Wider­ruf auf das Dar­le­hen gezahl­ten Beträ­ge.

Es bleibt abzu­war­ten, ob die Degus­sa Bank in Beru­fung geht.


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