Mittlerweile viele Widerrufsbelehrungen von Sparkassen als fehlerhaft festgestellt.

Eine gan­ze Rei­he von Land­ge­rich­ten (LGs) und auch Ober­lan­des­ge­rich­te (OLGs) haben zwi­schen­zeit­lich ver­schie­de­ne Wider­rufs­be­leh­run­gen von Spar­kas­sen für unwirk­sam ange­se­hen. Dies hat­te zur Fol­ge, dass die kla­gen­den Dar­le­hens­neh­mer unter ande­rem ohne Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung aus ihren Dar­le­hens­ver­trä­gen her­aus­ge­kom­men sind oder die­se, sofern sie bereits gezahlt wur­de, sogar zurück erhiel­ten.

Inter­es­sant ist dies für alle Dar­le­hens­neh­mer von Spar­kas­sen, weil die meis­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen der Spar­kas­sen auf dem Ver­bands­mus­ter basie­ren.

Dies ist daher ins­be­son­de­re für alle betrof­fe­nen Dar­le­hens­neh­mer von Spar­kas­sen für den Zeit­raum von Novem­ber 2002 bis Juni 2010 rele­vant. Gera­de des­halb, weil die meis­ten der Spar­kas­sen, die vom Spar­kas­sen­ver­band her­aus­ge­ben Mus­ter­be­leh­rung ver­wen­det haben, über die jetzt schon mehr­fach ent­schie­den wur­de. Die­se Mus­ter­be­leh­rung ent­hielt näm­lich eini­ge der von den Gerich­ten bean­stan­de­ten Feh­ler. Dar­aus folgt, dass die ein­zel­nen bis­her ergan­ge­nen Urtei­le zwar jedes Mal Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen waren, in der Sache jedoch oft über­trag­bar sind, weil ande­re Spar­kas­sen die­sel­be oder eine ähn­li­che Beleh­rung für den Wider­ruf ver­wen­det haben. Eben weil in der Regel die Mus­ter­be­leh­rung des Spar­kas­sen­ver­ban­des für die Wider­rufs­be­leh­rung ver­wen­det wur­de.

Die­se Mus­ter­be­leh­rung für die Wider­rufs­be­leh­rung sah eine gan­ze Zeit lang unter ande­rem den bereits vom Bun­des­ge­richts­hof als feh­ler­haft aner­kann­ten Pas­sus „Die Frist beginnt frü­hes­tens…“ sowie eine cha­rak­te­ris­ti­sche Fuß­no­te mit dem Text „Bit­te Frist im Ein­zel­fall prü­fen“ vor.

Die­se oder ähn­li­che Wider­rufs­be­leh­run­gen von Spar­kas­sen haben ver­schie­de­ne Gerich­te zwi­schen­zeit­lich als falsch ange­se­hen.

  • OLG Karls­ru­he Urteil vom 13.10.2015 Az. 17 U 42/15
  • OLG Karls­ru­he Urteil vom 27.02.2015 Az. 4 U 144/14
  • OLG Bran­den­burg Urteil vom 17.10.2012 Az. 4 U 194/11
  • OLG Mün­chen Urteil vom 21.10.2013 Az. 19 U 1208/13
  • OLG Köln Urteil vom 23.01.2013 Az. 13 U 218/11
  • OLG Köln Beschluss vom 06.11.2015 Az. 13 U 113/15
  • OLG Nürn­berg Urteil vom 11.11.2015 Az. 14 U 2439/15
  • OLG Hamm Urteil vom 04.11.2015 Az. 31 U 64/15
  • OLG Düs­sel­dorf Beschluss vom 22.07.2015 Az. I-14 U 27/15
  • OLG Düs­sel­dorf Urteil vom 21.01.2016, Az. I-6 U 296/14
  • OLG Frank­furt Urteil vom 27.01.2016 Az. 17 U 16/15
  • OLG Frank­furt Urteil vom 25.04.2016 Az. 23 U 98/15
  • OLG Frank­furt Urteil vom 18.05.2016 Az. 17 U 67/15
  • OLG Cel­le Beschluss vom 18.01.2016 Az 3 U 148/15

Daher ver­bes­sern sich mit jeder Ent­schei­dung die Erfolgs­aus­sich­ten betrof­fe­ner Dar­le­hens­neh­mer.

Dem­hin­ge­gend hat das OLG Schles­wig mit Urteil vom 26.02.2015 Az. 5 U 175/14 jedoch eine Ver­si­on der Spar­kas­sen­be­leh­rung als wirk­sam erach­tet und ver­tritt eine ande­re Ansicht und bis­her die Min­der­mei­nung.

Wie das OLG Karls­ru­he aber in sei­ner Ent­schei­dung vom 13.09.2015 Az. 17 U 42/15 klar­stell­te, ist die Fuß­no­te “Bit­te Frist im Ein­zel­fall prü­fen.” eine inhalt­li­che Bear­bei­tungs des Wider­rufstex­tes. Im Rah­men der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGHs wird damit der Ver­trau­ens­schutz hin­sicht­lich der Wider­rufs­be­leh­rung auf­ge­ho­ben. Fin­den sich wei­te­re Feh­ler in der Wider­rufs­be­leh­rung wie etwa der Pas­sus “Die Frist beginnt frü­hes­tens …”, ist die Wider­rufs­be­leh­rung nach über­wie­gen­der Ansicht der OLGs ein­deu­tig falsch.

Der BGH hat zwi­schen­zeit­lich höchst­rich­ter­lich fest­ge­stellt, dass die­se Wider­rufs­be­leh­rung der Spar­kas­sen für Dar­le­hens­ver­trä­ge falsch und feh­ler­haft ist. In sei­ner Ent­schei­dung vom 12.07.2016 Az. XI ZR 564/15 führ­te er dies näher aus. Daher soll­te es bei die­ser Wider­rufs­be­le­hurng kei­ne Dis­kus­sio­nen mehr geben.

 

Spar­kas­sen­be­leh­run­gen ab dem Jahr 2010 kön­nen eben­falls feh­ler ent­hal­ten!

Das OLG Mün­chen hat mit Urteil vom 21.05.2015 Az. 17 U 334/15 eine wei­te­re Ver­si­on der Spar­kas­sen­be­leh­run­gen aus den Jah­ren 2011 und 2012 für unwirk­sam erklärt.

Der Ansicht des OLG Mün­chen hin­sicht­lich neu­rer Spar­kas­sen­be­leh­run­gen hat sich zudem das OLG Koblenz und das LG Ravens­burg ange­schlos­sen. Der BGH ent­schei­det zudem im Febru­ar über die­se neue­ren Spar­kas­sen­be­leh­run­gen. Hier dürf­te bald mehr Klar­heit her­schen.

Es gilt also immer genau hin­zu­schau­en, wel­che Wider­rufs­be­leh­rung der Spar­kas­sen gera­de ver­wen­det wur­de und aus wel­che Jahr der Dar­le­hens­ver­trag ist.

Nicht alle OLG Bezir­ke haben sich bis­her zu den frag­li­chen Spar­kas­sen­be­leh­run­gen geäu­ßert. Die Ten­denz scheint aber ein­deu­tig. Dies dürf­te sich im lau­fe die­ses Jah­res zudem noch ändern. Es wer­den wei­te­re Ent­schei­dun­gen von maß­geb­li­chen OLGs wie etwa in Frank­furt erwar­tet. Bis­her ist die Mehr­zahl der OLGs und LGs auf der Sei­te der Dale­hens­neh­mer. Es gibt jedoch auch LGs die bis­her sehr kri­tisch und fast aus­nahm­los zuguns­ten “ihrer” Spar­kas­sen geur­teilt haben. Aller­dings sind bei die­sen Gerich­ten abwei­sen­de Urtei­le in der Beru­fung beim zustän­di­gen Ober­lan­des­ge­richt und es bleibt abzu­war­ten, wie die­se sich posi­tio­nie­ren wer­den. Ledig­lich im Ein­zugs­ge­biet des OLG Schles­wig ste­hen die Chan­cen nach meh­re­ren nega­ti­ven Urtei­len für betrof­fe­ne Dar­le­hens­neh­mer von Spar­kas­sen nicht so gut.

Bis zu einer Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs in Sachen Spar­kas­sen­be­leh­run­gen kann es noch eine Wei­le dau­ern, sofern er über­haupt dar­über zu ent­schei­den hat. Daher kommt es kurz und mit­tel­fris­tig auf die Ansich­ten der ver­schie­de­nen ört­lich zustän­di­gen Ober­lan­des­ge­rich­te an.

Eine aus­ser­ge­richt­li­che Eini­gung hängt sehr von der jewei­li­gen Spar­kas­se ab und ist nicht immer mög­lich. Oft las­sen sich die Spar­kas­sen schlicht ver­kla­gen.

Wir haben bis­her u.a. Wider­rufs­be­leh­run­gen fol­gen­de Spar­kas­sen geprüft und beur­teilt:

Kreispar­kas­se Köln
Nas­saui­sche Spar­kas­se
Spar­kas­se All­gäu
Spar­kas­se Aschaf­fen­burg-Alzen­au
Spar­kasse Baden-Baden Gag­ge­nau
Spar­kasse Bam­berg
Spar­kas­se Bay­reuth
Spar­kasse Bens­heim
Spar­kasse Bie­le­feld
Spar­kasse Bre­mer­ha­ven
Spar­kasse Die­burg
Spar­kas­se Göt­tin­gen
Spar­kasse Groß-Gerau
Spar­kasse Hanau
Spar­kasse Hei­del­berg
Spar­kasse Hol­stein
Spar­kasse Lan­gen-Seli­gen­stadt
Spar­kas­se Lör­rach-Reih­n­fel­den
Spar­kas­se Min­den Lüb­be­cke
Spar­kasse Mit­tel­mo­sell
Spar­kasse Mit­telthü­rin­gen
Spar­kasse Mün­chen
Spar­kasse Ober­hes­sen (Wet­terau)
Spar­kasse Oden­wald­kreis
Spar­kasse Offen­bach
Spar­kas­se Pader­born
Spar­kas­se Rhein-Nahe
Spar­kas­se Sie­gen
Spar­kas­se Solin­gen
Spar­kasse Trier
Spar­kas­se Wese-Elbe
Spar­kasse Wolfach
Tau­nus­Spar­kasse

Die Kanz­lei hün­lein rechts­an­wäl­te fin­den Sie in Frank­furt am Main unter fol­gen­der Adres­se (Kon­takt):

hün­lein rechts­an­wäl­te
Eschen­hei­mer Anla­ge 28
60318 Frank­furt a.M.

Tel.: 069–4800789-0
Fax: 069–4800789-50

E-Mail: rae@huenlein.de

Ein Kon­takt­for­mu­lar und wei­te­re Anga­ben fin­den sie unter Kon­takt.