Die Fußnote „Bitte Frist im Einzelfall prüfen.“ ist eine inhaltliche Bearbeitung

Das OLG Karls­ru­he hat mit sei­nem Urteil vom 13.10.2015 Az. 17 U 42/15 erneut eine Spar­kas­sen­be­leh­rung aus dem Jah­re 2003 für unwirk­sam erklärt. Damit bestä­tigt der 17. Sen­ta des OLG Karls­ru­he die bis­he­ri­ge Linie des 4. Senats (27.02.2015 Az. 4 U 144/14).

Das neus­te Urteil wies dabei die von der Spar­kas­se ein­ge­leg­te Beru­fung zurück. Die­se hat­te bereits in ers­ter Instanz ver­lo­ren und die­ses Urteil wur­de jetzt vom OLG Karls­ru­he bekräf­tigt.

Die hier vom OLG Karls­ru­he mit Urteil vom 13.10.2015 Az. 17 U 42/15 als unwirk­sam ange­se­he­ne For­mu­lie­rung der Wider­rufs­be­leh­rung des Dar­le­hens­ver­tra­ges ent­hielt u.a. die Fuß­no­te „Bit­te Frist im Ein­zel­fall prü­fen.“.

Das OLG befasst sich in sei­ner aktu­el­len Ent­schei­dung dezi­diert mit die­ser Fuß­no­te und sieht in die­ser eine ein­deu­ti­ge und redak­tio­nel­le Abwei­chung vom Mus­ter­text gege­ben. Daher konn­te sich die Spar­kas­se nicht auf die soge­nann­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on und den Schutz des Mus­ters der Wider­rufs­be­leh­rung aus der Anla­ge 6 zum § 14 BGB Info­VO beru­fen. Mit­hin war die Wider­rufs­be­leh­rung falsch und feh­ler­haft, weil sie u.a. auch den Pas­sus „Die Frist beginnt frü­hes­tens …“ ent­hal­ten hat.

Inter­es­sant ist das Urteil zudem des­halb, weil das Dar­le­hen bereits 2012 abge­löst wor­den war und die Klä­ger die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung zurück ver­lang­ten. Der Wider­ruf erfolg­te jedoch erst 2014. Die Rich­ter des OLG Karls­ru­he sahen in die­sem Umstand jedoch kein Pro­blem. Das Wider­rufs­recht ist nicht ver­wirkt. Dem steht die Ver­trags­auf­lö­sung und der 2 Jah­re spä­ter erfolg­te Wider­ruf nicht ent­ge­gen.

Über­tragt man die­ses Urteil auf die vie­len Spar­kas­sen­be­leh­run­gen, die eben­falls die­se Fuß­no­te ent­hal­ten und den Pas­sus „Die Frist beginnt frü­hes­tens …“, dann kommt man zu dem Ergeb­nis, dass die­se gleich­falls feh­ler­haft sind. Nach­dem vie­le Spar­kas­sen ihre Wider­rufs­be­leh­rung auf der Mus­ter­wi­der­rufs­be­leh­rung des Spar­kas­sen­ver­ban­des auf­ge­baut haben, sind daher sehr vie­le Spar­kas­sen von die­ser erneut für feh­ler­haft gehal­te­nen Wider­rufs­be­leh­rung betrof­fen. Die gegen­läu­fi­ge Ansicht, die das OLG Schles­wig (Az. 5 U 175/14) ver­sucht hat zu eta­blie­ren, hat sich in der Recht­spre­chung bis­her nicht durch­ge­setzt. Ähn­li­che Wider­rufs­be­leh­run­gen wur­den bereits von den OLGs Bran­den­burg, Mün­chen, Köln und eben Karls­ru­he für unwirk­sam gehal­ten.

Gleich­wohl dür­fen Betrof­fe­ne nicht erwar­ten, dass ein Wider­ruf eines Dar­le­hens­ver­tra­ges mit die­ser feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­rung ein Selbst­läu­fer ist. Betrof­fe­ne soll­ten immer fach­li­che Bera­tung hin­zu­zie­hen, damit Feh­ler ver­mie­den wer­den kön­nen.

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