LG Stuttgart bestättigt mit Urteil vom 09.04.2015 Az. 12 O 293/14 erneut späten Widerruf.

Das LG Stutt­gart gab einem Dar­le­hens­neh­mer recht, der 2003 ein Dar­le­hen geschlos­sen hat­te die­ses 2013 getilgt wur­de und der Wider­ruf erst 2014 erklärt wur­de. Die hier­bei ver­wen­de­te Wider­rufs­be­leh­rung ent­hielt u.a. fol­gen­de For­mu­lie­rung:

Sie kön­ne Ihre Ver­trags­er­klä­rung inner­halb von zwei Wochen ohne Anga­ben von Grün­den in Text­form (z. B. Brief, Fax, E-Mail) wider­ru­fen. Sofern Sie nicht tag­gleich mit dem Ver­trags­schluss über Ihr Wider­rufs­recht belehrt wor­den sind, beträgt die Frist einen Monat. Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung in Text­form.”

Das LG Stutt­gart mach­te sowohl mit der For­mu­lie­rung als auch den ver­schie­de­nen Ein­wän­den der beklag­ten Bank zu Recht kur­zen Pro­zess. So griff ins­be­son­de­re auch nicht der Ein­wand der Ver­wir­kung, trotz lan­ger Dar­le­hens­lauf­zeit und trotz der voll­stän­di­gen Rück­füh­rung vor dem Wider­ruf.

Dass der Wider­ruf erst mehr als zehn Jah­re nach Abschluss des Dar­lehen­s­er­trags erklärt wur­de, führt nicht zur Ver­wir­kung des Kla­ge­an­spruchs. Die Ver­wir­kung ist ein Son­der­fall der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung, die im gesam­ten Pri­vat­recht ein­ge­wen­det wer­den kann (BGH, Urt. v. 16.05.2014 — BGH Akten­zei­chen VZR18113 V ZR 181/13).“

Ein­mal mehr wird auch unse­re Auf­fas­sung bestä­tigt, dass die Ver­wir­kung eben nur ein Son­der­fall für den Ein­zel­fall dar­stellt. Die Ver­wir­kung kann nur dann gege­ben sein, wenn eine über­mä­ßi­ge wirt­schaft­li­che untrag­ba­re Benach­tei­li­gung vor­liegt, die so vom Gesetz­ge­ber nicht gewoll­te war. Es han­delt sich gera­de nicht um eine Gene­ral­klau­sel, die in brei­ter Mas­se gel­ten­des Recht aus­he­beln soll, wie es vie­le Ban­ken ger­ne sehen wür­den.

Der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le war und ist klar dar­auf gerich­tet, dass ein Wider­rufs­recht eben kei­ne zeit­li­che Beschrän­kun­gen für Dar­le­hens­neh­mer hat. Letzt­lich ist es eben auch nicht so, dass alle Ban­ken feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­run­gen ver­wen­det haben. Es gibt durch­aus vie­le Ban­ken, die es in rechts­kon­for­mer Art und Wei­se geschafft haben, ihre Dar­le­hens­neh­mer aus­rei­chend zu beleh­ren.

Vor­lie­gend ist es ein wei­te­res Urteil, dass die bis­her brei­te Mei­nung bestä­tigt, dass kei­ne Ver­wir­kung vor­liegt und Urtei­le die Ver­wir­kung anneh­men, nach wie vor die Aus­nah­men sind, die die Regel bestä­ti­gen.

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