Münchener Hypothekenbank eG mit Urteil vom 17.03.2015 Az. 21 O 295/14 zur Rückabwicklung eines Darlehensvertrages verurteilt!

Das LG Köln ver­ur­teilt die Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG mit Urteil vom 17.03.2015 Az. 21 O 295/14 zur Rück­ab­wick­lung eines Dar­le­hens­ver­tra­ges aus dem Jah­re 2008.

Nach­dem ver­mehrt Nach­fra­gen wegen die­sem Urteil kom­men, wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Ver­fah­ren nicht von hün­lein rechts­an­wäl­ten geführt wur­de.

Das Urteil wur­de im Nach­gang vom OLG Köln zudem auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen (02.03.2016 — 13 U 52/15), eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de dage­gen blieb erfolg­los (17.01.2017 — XI ZR 128/16).

Die­se Aus­füh­run­gen ent­spre­chen daher ledig­lich dem dama­li­gen Stand des Urteils und sind inso­weit über­holt.

Kon­kret ging es um einen Dar­le­hens­ver­trag bei der Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG vom April 2008. Es han­del­te sich dabei um einen soge­nann­ten For­ward Kre­dit.

Anfang 2014 wider­ru­fen die Dar­le­hens­neh­mer den Dar­le­hens­ver­trag bei der Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG und for­der­ten zur Rück­ab­wick­lung auf. Die­ser Bit­te kam die Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG nicht nach. Dar­auf­hin wur­de Kla­ge ein­ge­reicht und jetzt in ers­ter Instanz posi­tiv ent­schie­den.

Die dabei maß­geb­li­che For­mu­lie­rung hin­sicht­lich des Frist­be­ginns der Wider­rufs­frist in der Wider­rufs­be­leh­rung des Dar­le­hens­ver­tra­ges der Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG lau­te­te wie folgt:

“Der Lauf der Frist für den Wider­ruf beginnt einen Tag nach Erhalt eines Exem­plars die­ser Wider­rufs­be­leh­rung sowie einer Ver­trags­ur­kun­de, Ihres schrift­li­chen Ver­trags­an­trags oder einer Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder Ihres Ver­trags­an­trags.”

Im damals gül­ti­gen Mus­ter der Anla­ge zum § 14 BGB-Info­VO hieß es ganz ähn­lich:

Die Frist beginnt nach Erhalt die­ser Beleh­rung in Text­form, jedoch nicht, bevor Ihnen auch eine Ver­trags­ur­kun­de, Ihr schrift­li­cher Antrag oder eine Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder des Antrags zur Ver­fü­gung gestellt wor­den ist.”

Das LG Köln schau­te hier aber ganz genau hin und in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des BGHs vom 10.03.2009 unter Az. XI ZR 33/08 erkann­te das LG Köln zutref­fend, dass Abwei­chun­gen zum Mus­ter­text bestehen. Sodass schon ein­mal nicht die soge­nann­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on greift, nach der ver­mu­tet wird, dass der Dar­le­hens­neh­mer aus­rei­chend über sein Wider­rufs­recht auf­ge­klärt wur­de, wenn exakt der Text der Anla­ge 2 zum § 14 BGG Info­VO ver­wen­det wird.

Gleich­zei­tig wird der Dar­le­hens­neh­mer aber auch durch die­se For­mu­lie­rung ver­wirrt, weil er davon aus­ge­hen muss­te, dass bereits mit der Über­ga­be des Dar­le­hens­ver­tra­ges an ihn, die Wider­rufs­frist zu lau­fen begon­nen hat­te. Die hier als feh­ler­haft aner­kann­te Wider­rufs­be­leh­rung sprach nur von der Über­ga­be „einer Ver­trags­ur­kun­de“, sodass der Dar­le­hens­neh­mer hier ent­spre­chend davon aus­ge­hen muss­te, dass bereits mit der Über­ga­be die­ser Wider­rufs­be­leh­rung und des Ver­tra­ges die Wider­rufs­frist zu lau­fen begon­nen hat­te.

Ent­schei­dend für die­sen Fris­t­pas­sus ist, das hat schon der BGH in der oben genann­ten Ent­schei­dung ange­deu­tet und haben eini­ge Instanz­ge­rich­te mitt­ler­wei­le aus­ge­führt, dass ent­we­der Dar­le­hens­an­trag oder der Dar­le­hens­ver­trag vor dem Ver­trags­schluss dem Dar­le­hens­neh­mer zur Ver­fü­gung gestellt wer­den und zwar in der Form, dass eine Fehl­vor­stel­lung dar­über ent­ste­hen kann, ob dadurch bereits die Wider­rufs­frist aus­ge­löst wird oder nicht.

Es ist aber nicht so, dass die­se For­mu­lie­rung oder die vom BGH in sei­ner Ent­schei­dung vom 10.03.2009 unter Az. XI ZR 33/08 als feh­ler­haft aner­kann­te For­mu­lie­rung immer falsch ist.

Jeder Dar­le­hens­neh­mer kann sei­ne Ver­trags­er­klä­rung inner­halb von zwei Wochen ohne Anga­be von Grün­den in Text­form (…) wider­ru­fen. Der Lauf der Frist für den Wider­ruf beginnt einen Tag, nach­dem dem Dar­le­hens­neh­mer die­se Beleh­rung mit­ge­teilt und eine Ver­trags­ur­kun­de, der schrift­li­che Dar­le­hens­an­trag oder eine Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder des Dar­le­hens­an­tra­ges zur Ver­fü­gung gestellt wur­de.“ (BGH Az. XI ZR 33/08)

Dies ist nur dann so, der gän­gi­gen Recht­spre­chung nach, wenn der Dar­le­hens­neh­mer nicht am sel­ben Tag alle Unter­la­gen erhält, an dem er auch den Dar­le­hens­ver­trag wirk­sam unter­zeich­net. Dabei kommt es nicht zwin­gend dar­auf an, dass der Ver­trag im Fern­ab­satz geschlos­sen wird, wich­tig ist dabei nur, dass der Dar­le­hens­neh­mer vor Ver­trags­schluss ent­we­der den Dar­le­hens­ver­trag oder den Dar­le­hens­an­trag in einer Form erhält, dass er eben dem Irr­tum erlie­gen kann, dass mit der Über­ga­be bereits die Wider­rufs­frist zu lau­fen beginnt.

Letzt­lich stellt hier eben das LG fest, dass die gesetz­li­che Wider­rufs­frist von 14 Tagen nicht in Gang gesetzt wor­den war, weil die Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG die Klä­ger über das ihnen zuste­hen­de Wider­rufs­recht nicht ord­nungs­ge­mäß belehrt hat­te (§ 355 Abs. 2 BGB a.F.).
Aus dem glei­chen Grund ist das Wider­rufs­recht auch nicht nach Ablauf von sechs Mona­ten nach Ver­trags­schluss erlo­schen (§ 355 Abs. 3 Satz 1 und 3 BGB a.F.). Vor­lie­gend war es in der Tat so, dass die Dar­le­hens­neh­mer den Dar­le­hens­ver­trag bereits vor der Unter­zeich­nung bei der Bank zuge­schickt bekom­men hat­ten.

In der hier ent­schie­de­nen Wider­rufs­be­leh­rung des Dar­le­hens­ver­tra­ges der Mün­che­ner Hypo­the­ken­bank eG fan­den sich zudem noch wei­te­re Abwei­chun­gen unter dem Punkt „Wider­rufs­fol­gen“. Hier fehl­ten die bei­den Sät­ze: “Ver­pflich­tun­gen zur Erstat­tung von Zah­lun­gen müs­sen inner­halb von 30 Tagen erfüllt wer­den. Die Frist beginnt für Sie mit der Absen­dung Ihrer Wider­rufs­er­klä­rung, für uns mit deren Emp­fang.”

Das LG Köln stellt hier­zu tref­fend fest:

„Des Wei­te­ren genüg­te die ver­wen­de­te Beleh­rung nicht den Erfor­der­nis­sen des § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB (in der Fas­sung vom 23.07.2002), weil auf der Rechts­fol­gen­sei­te kein Hin­weis auf die Ver­zugs­fol­gen des § 286 Abs. 3 Satz 1 BGB ent­hal­ten ist.“

Eine Ver­wir­kung wur­de eben­so zutref­fend abge­lehnt. Pas­send for­mu­lier­te dies das LG Köln wie folgt:

Im vor­lie­gen­den Fall sind weder die Vor­aus­set­zun­gen des Zeit- noch des Umstands­mo­men­tes erfüllt.“

Für nähe­re Infor­ma­tio­nen zur Fra­ge der Ver­wir­kung und war­um sich Dar­le­hens­neh­mer nicht von den ver­meint­lich posi­ti­ven Urtei­len der Ban­ken ein­schüch­tern las­sen soll­ten, ver­wei­se ich an die­ser Stel­le auf unse­ren Post Ver­wir­kung.
 
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